Das Wirkungsgefüge

Lehrpersonen überschätzen in der Regel ihren direkten Einfluss auf die Schüler über methodisch-didaktische Unterrichtsangebote.  Sie unterschätzen die Auswirkungen von orientierungs-gebenden Rahmenbedingungen und von wertschätzenden Beziehungsangeboten.  Und sie unterschätzen insbesondere die herausfordernde Wirkung von sinnhaften und respektvollen Aufgaben.

Wer führen will, muss eine Vorstellung davon haben wie er andere Menschen beeinflussen kann. Menschen sind Subjekte, die autonom fühlen, denken und handeln, sie sind keine trivialen Maschinen (von Förster). Deshalb können Lehrpersonen gar nicht unmittelbar auf die kognitiven und emotionalen Prozesse ihrer Schüler wie Motivation, Denken und Fühlen einwirken. Jeder Mensch ist systemtheoretisch gesprochen ein psycho-soziales System, das operational geschlossen und kommunikativ offen ist.Über gelingende Kommunikation erreichen Lehrpersonen ihre Schüler.

Das Wirkungsgefüge des Lernens von Dieter Betz und Helga Breuninger veranschaulicht diese Zusammenhänge. Drei Kreisläufe wirken dabei zusammen und verstärken sich gegenseitig: Das Beziehungsgeschehen, das Unterrichtsgeschehen und die inneren Prozesse des Schülers.Ziel des angewandten Wirkungsgefüges ist der Aufbau von Souveränität durch Selbstwirksamkeitsüberzeugung, Entwicklung von spezifischen Kompetenzen zur Führung, Differenzierung, Kooperation und Reflexion. Hier wird die alte Verhaltensorientierung wird durch das wertebasierte Haltungsmodell abgelöst.

Bild des Wirkungsgefüge
Zum Vergrössern klicken

Aus dem Wirkungsgefüge des Lernens lassen sich die pädagogischen Führungsaufgaben unmittelbar ableiten. 
Wenn man die Körpergrenze des Schülers mit einer Linie durch das Wirkungsgefüge symbolisiert, werden vier Schnittstellen der Kommunikation deutlich. Diese stellen die 4 Brücken dar, über die Lehrpersonen ihre Schüler erreichen und auf individualisierte Lernprozesse gezielt Einfluss nehmen können. 

  1. Brücke: Beziehungen über Zutrauen, Ermutigung und Wertschätzung gestalten 
  2. Brücke: Schülerverhalten im Kontext von Szenen deuten anstatt zu bewerten 
  3. Brücke: Lernprozesse gestalten -Atmosphären schaffen, respektvolle Aufgaben stellen und Schüler beteiligen 
  4. Brücke: Lernprozesse deuten – Störungen wahrnehmen und auf der Beziehungsebene klären

Der sozial-kognitiv ausgerichtete Verhaltensforscher Bandura hat in seiner Theorie des Lernens am Modell das Konzept der «Selbstwirksamkeitsüberzeugung» entwickelt. Für das Autorenteam stellt diese nicht nur ein wesentliches Lernziel für die Schüler sondern genauso für die Lehrpersonen dar. Hohe Selbstwirksamkeitserwartungen sind die Grundlage der Souveränität, der «Personal Mastery» (Senge). 

Im Sinne der Selbstwirksamkeitserwartung müssen Schüler sich Eigeninitiative und verantwortliche Lernprozesse zutrauen. Gelingende Lernprozesse führen zu einem Selbstwirksamkeitserleben und verstärken die Selbstwirksamkeitserwartung.
Analog dazu müssen Lehrer ein Zutrauen entwickeln, ihr Verständnis der Wirkungszusammenhänge in authentisches Handeln umzusetzen. Darüber entsteht Selbstwirksamkeitserleben, das durch jede gelungene Umsetzung gestärkt wird und die Selbstwirksamkeitserwartung erhöht, erfolgreich führen zu können. 
Das Kompetenzcluster für den Performance Simulator «Führen» umfasst die folgenden vier einzelnen Kompetenzen:

  • Aus der situativen Souveränität heraus handeln
  • Produktive, spannungsvolle Atmosphären schaffen
  • Konflikte und Schwierigkeiten lösbar machen
  • Muster reflektieren und Unterschiede wertschätzen